Geräteträger inkl. Dinghy Lift und Edelstahlreling für eine Bavaria 390

Lange haben wir oder besser gesagt ich mich gegen einen Geräteträger am Heck unserer Taku Moe gewehrt. Nach dem Desaster mit den flexiblen Solarmodulen im letzten Jahr – 4 x 150Wp auf dem Bimini, die innerhalb von 2,5 Jahren ihre Lebenszeit aushauchten – musste eine neue, dauerhafte Lösung her. Optionen gibt es eigentlich kaum, wenn man wie wir auf alternative Energiegewinnung setzt. Also muss nun doch ein Geräteträger her. Eine wirkliche Idee, wie so etwas an einer Bavaria 390 aussehen könnte, hatten wir nicht. Die Google-Bildersuche war auch keine große Hilfe. Aber es regte unsere Phantasie an, und so beschloss ich zumindest ein Konzept bestehend aus groben Ideen zu entwerfen und sich nach einem geeigneten Edelstahlbauer umzusehen. Letzteres ist hier oben eher schwierig, denn auf Anfragen wurde nicht, nur verzögert oder mit einer Absage nach einem (!) Jahr reagiert.

Letztendlich bekamen wir jedoch einen entscheidenden Tipp von unserem neuen Hafeninhaber Björn. Er empfahl uns die Firma Freudenstein Edelstahlbau in Tarp. Noch nie zuvor von denen gehört, stellte sich aber heraus, dass die Firma Freudenstein Haus- und Hof Edelstahlbauer von der bekannten Sirius Werft in Plön ist. Deren filigrane Edelstahlgewerke sind mir allerdings wohlbekannt.
Kurzerhand haben wir mit der Firma Freudenstein Kontakt aufgenommen und einen Vororttermin auf der Taku Moe vereinbart. Herr Freudenstein (selbst Segler) kam dann persönlich vorbei und hörte sich unsere Vorstellungen an. Elegant sollte der Geräteträger sein, sich unscheinbar an die Linien der Bavaria 390 anpassen, nicht aufgesetzt und wuchtig aussehen, ca. 500W an Solarmodulen aufnehmen sowie einen Dinghy-Lift bereitstellen. Wir hatten unbegrenzt viele Ideen, wurden aber daran erinnert, dass 12m Schiff eben auch nur 12m sind. Nicht alles lässt sich einfach mal eben so umsetzen und Kompromisse müssen gemacht werden. Die fachliche Beratung durch Herrn Freudenstein war super und uns wurde nachvollziehbar erklärt, was möglich ist und wie so etwas aussehen könnte. Ein schriftliches Angebot sollte uns in Kürze zugehen (bitte fragt mich nicht nach dem Preis. Den bekommt Ihr von der Fa. Freudenstein. Aber es dürfte jedem klar sein, dass es nicht wirklich günstig ist. Dafür ist es ein anspruchsvolles Projekt). Und da wir gerade beim Thema Edelstahl waren – ich hatte immer schon die Idee einer Edelstahlreling – sprachen wir auch darüber. Die ist im Verhältnis zum Geräteträger günstig 😉

Nach ein paar Tagen bekamen wir das Angebot. Wir wurden allerdings schon im Gespräch auf eine Preis Range eingestimmt, so dass uns die Endsumme nicht wirklich überraschte. Dennoch, zweimal tief schlucken und dreimal drüber schlafen. Letztlich entschieden wir uns für die Beauftragung. Die Fertigstellung sollte 6 Wochen Zeit in Anspruch nehmen. Das ließ uns noch Zeit für einen Kurztrip in die dänische Südsee, bevor die Arbeiten an Bord beginnen.

Die Zeit dazwischen wollte ich jedoch auch nutzen, um geeignete Solarmodule zu finden. Sie sollten nicht so schwer sein und möglichst kompakt. Es stellt sich jedoch heraus, dass die äußere Form (fast bei jedem Hersteller gleich ist, was Länge und Breite betrifft. Ein 250W Modul hat dann schon eine beachtliche Länge von fast 1,70 Metern. Zwei davon über die gesamte Schiffsbreite am Heck würden dieses bei weitem überragen. Auch in Längsrichtung sind 1,70 Meter einfach zu viel, es sei denn wir wollten den Fischen am Heck Schatten spenden. Tag um Tag habe ich so alle möglichen Hersteller von Solarmodulen durchforstet. Dann endlich bin ich fündig geworden und zwar bei Solara. Deren Module sind dafür bekannt nicht zu den günstigsten zu gehören. Allerdings bieten sie eine Modulserie an, die entgegen aller anderen Hersteller als kompakt angesehen werden kann. E680M48 ist ein 170W Modul mit 48 Zellen in der Anordnung 6×8.
Die Modulmaße betragen 1082 x 796 x 35mm bei 11kg Gewicht. Davon ließen sich 3 Stück nebeneinander auf dem Solarträger platzieren, ohne dass die Schiffsbreite achtern oder das Heck überragt werden. Dabei bleibt immer noch genügend Platz für das Achterstag frei. Der Preis lässt mich allerdings wieder mal schlucken…egal. Bestellt und vergessen. Die Modulmaße habe ich dann an die Fa. Freudenstein weitergeleitet, damit der Solarträger entsprechend gebaut werden kann.

Eine Woche nach unserer Rückkehr erschien dann das Montageteam von Freudenstein. Flugs war der alte Heckkorb demontiert. Er wird komplett durch eine im Geräteträger integrierte Version ersetzt. Wer noch einen Heckkorb für seine Bavaria 390 sucht, bei mir werdet Ihr fündig 😉
Der Geräteträger war bereits weitestgehend vormontiert. Es bedurfte jedoch noch ein paar Anpassungen, die sich nur am Schiff selbst bewerkstelligen lassen.

www.Freudenstein-Edelstahlbau.de
Ein erster Blick auf den Geräteträger

Über die Montage selbst gibt es nicht so viel zu berichten. Unsere Vorstellungen wurden stets berücksichtigt, und die Monteure haben alles super umgesetzt.

Ohne Heckkorb…
fehlt irgendwas
Ob das wohl passt?
Finetuning an der neuen Seereling
Solide Platten aus Edelstahl (auch innen) verteilen die Last
Die neue Seereling mit offener Pforte
Montage der Solarmodule

Wir wussten zwar, dass wir die Solarmodule ca. 15° nach vorn und hinten kippen können, aber dann ergab es sich, dass wir nach hinten sogar knapp 45° Ausrichtung erreichen können. Das steigert die Effizienz der Solaranlage um locker 20-30%. Mit ca. 2.2kW Ertrag am Tag bei dauerhafter Sonnenbeschallung habe ich gerechnet, aber mehr als 2.8kW hatten wir auch schon. Idealerweise liegt unser Schiff im Hafen mit einer Ausrichtung von 015°. Das Heck ist also fast gen Süden ausgerichtet. So gut werden wir es natürlich nicht immer haben.
Der Dinghy-Lift ist als zusätzlicher Bügel schwenkbar am Geräteträger montiert. Das Dinghy lässt sich so einhand in 20 Sekunden hoch- und runterschwenken und findet seinen Rastplatz entweder am Heckkorb oder aber direkt vor der Badeplattform.
Der neue Heckkorb bietet jetzt wesentlich mehr Volumen und erleichtert das Arbeiten mit den Heckleinen erheblich. Das I-Tüpfelchen jedoch ist die Edelstahlreling. Der obere Zug wurde komplett durch vorgewalztes Edelstahlrohr ersetzt und erstreckt sich nun vom Heckkorb/Geräteträger bis zum Bugkorb. Zusätzlich wurden zwei seitliche Ein- und Ausstieg in etwa auf Schiffsmitte realisiert. Die Stabilität und das Sicherheitsgefühl hat sich durch dieses Tuning nochmals erheblich erhöht. Die neue Reling hat sich als echter Hingucker hier im Hafen herausgestellt. Und es gibt bereits weitere Interessenten.

15° Neigung nach vorne
Dinghy-Lift
Mit Dinghy und nach Süden ausgerichteten Solarmodulen mit ca. 40° Neigung

Durch den Geräteträger mit Solar und anhängendem Dinghy direkt am Heck, war es notwendig das Staukonzept auf Taku Moe nochmals zu überarbeiten. Nach Umstauung liegt sie jetzt wieder ideal im Trim. Das Gewicht der ganzen Anlage ist sicherlich nicht unerheblich, dürfte aber maximal in dem Bereich liegen, den wir durch den Umstieg von Bleibatterien auf Lithium eingespart hatten. Wie gewonnen, so zerronnen 😛

Insgesamt waren wir äußerst zufrieden mit der Arbeit und wollen den Geräteträger mit verstellbarem Solarträger und Dinghy-Lift sowie die neue Reling nicht mehr missen.

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